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Patchwork und Quilt

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Mama hat ein neues Hobby für sich entdeckt. Patchwork heißt das. Sie hat uns erklärt, was das ist. So ganz hab ich das am Anfang ja nicht verstanden. Warum muss man schöne Stoffe bis zur Unkenntlichkeit zerschneiden und was Neues draus machen. Als sie dann mit einigen dieser Stoffe ankam, hab ich mir schon gedacht, die kann sie ruhig zerschnippeln. So Blümchenstoffe, wie von Uroma waren die. Wie kann sie so was bloß kaufen! Es waren aber auch Stoffe dabei, die waren echt schön.Und was dabei rauskam, sah dann doch echt spitze aus.

Als ich eines Tages von der Schule heim kam, sah ich es schon von Weitem. Meine Freunde haben gekichert, es war einfach peinlich. „Hoppala, is eure Waschmaschine kaputt?“ war ihr boshafter Kommentar. Mama hatte lauter Fetzen auf die Wäscheleine gehängt. Wie lange, schmale, fransige Fähnchen flatterten da Stoffe im Wind. „Jetzt isses passiert, jetzt spinnt sie ganz!“ war mein erster Gedanke.

Zu meinen Freunden hab ich gar nix gesagt, nur den Kopf geschüttelt.

Als ich rein ging, fragte ich sie gleich: „Äh, sag mal, hast Du die Wäsche im Reißwolf gewaschen, oder was?“ Sie fand das wohl überaus lustig und lachte, ich nicht.

„Mama, Du bist so peinlich“, warf ich ihr vor, „wie kann man solche Fetzen auf die Leine hängen!“ Sie meinte dazu nur: „Daran wirst Dich gewöhnen müssen, das sind meine Patchworkstoffe. Die werden vor dem Nähen gewaschen.“

Na super! Aber ich hab mich an den Anblick gewöhnt, meine Freunde auch. Und da meine Eltern sonst als ganz cool galten, wurde das von meinen Freunden auch toleriert.

Viel gewöhnungsbedürftiger war dann, was in der Folgezeit alles kam.

„Mama, meine Hose ist zerrissen, kannst Du mir die nähen?“ „Ja, leg sie hin, ich mach das.“ Und dann kam die nächsten zwei Wochen nix mehr. Ich musste sie daran erinnern. „Jaja, ich mach das schon, gleich nachher“, und das war es wieder. Die ganze Zeit saß sie an dieser blöden Nähmaschine, hatte für nichts Anderes mehr Zeit, aber meine Hose nähte sie nicht!

„Mama, ich hab nix mehr zum Anziehen, ich sollte jetzt die Hose mal wieder kriegen, genäht, wenn’s geht“. Reißverschluß war noch schlimmer, fast keine Aussichten, eine Hose mit kaputtem Reißverschluß heile zurück zu bekommen!

Manchmal fuhrwerkte Papa auch ganz demonstrativ mit Nadel und Faden an einem Hemd rum und versuchte einen Knopf anzunähen. Das wirkte ab und zu.

Ich habe schon bald kapiert, dass Patchwork wohl was ganz Besonderes ist, etwas wie Computer spielen oder so. Wenn man mal anfängt, kommt man so schnell nicht mehr los davon.

Und Essen wird dann auch ganz und gar unwichtig. Das mussten wir in der Folgezeit immer mal wieder feststellen.

Wir lernten alle bald, zu erkennen, wann Mama ein neues Projekt in Arbeit hatte. Das waren immer die Zeiten, wenn ich von der Schule kam und es nicht nach Essen duftete, wenn ich zur Türe rein ging.

Aber zum Ausgleich gab es wieder einen neuen Quilt, eine neue Tischdecke, Wandbehang, was auch immer.

Wenn wir sagten, es wäre schön, wenn auf der neuen Tischdecke Teller mit dampfendem Essen stehen würde, versprach sie Besserung. Die kam auch, für kurze Zeit. Bis zum nächsten neuen Projekt.

Inzwischen wissen wir alle: wenn die Wäsche im Schrank zur Neige geht, Schnellgerichte oder auffallend viele Aufläufe auf den Tisch kommen, macht Mama wieder was Neues. Warten wir’s ab. Wird ja hoffentlich bald fertig sein.


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User Comments
(no subject) [Reply]
gasson | 03 Januar, 2012 05:59

Und meine Gedanken im Kopf rum: War das Lina? Hab ich sie heut rausgelassen? Wieso ist das noch dunkel? Hab ich sie vergessen? Wer ist mit dem Hund draußen? Wieso ist die überhaupt draußen????italian leather jackets
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