Angeregt durch die immer mal wieder auftauchenden Fragen und Diskussionen, welche Lineale, Schneider, Fäden, Nadeln denn notwendig sind, um Patchwork machen zu können, hab ich mir mal wieder so meine Gedanken gemacht.
Alks ich anfing mit Patchwork war es mit Stoffen und Zubehör noch ganz schlecht bestellt. Es gab einen Laden, der zu erreichen war, aber nicht so nah, dass ich wegen 1m Stoff hätte fahren können. Internet war noch nicht.
An Zubehör kaufte ich mir, nach Anschaffung einer guten Erstausstattung, was für die entsprechende Technik in dem Quilt, den ich gerade anfangen wollte, nötig war. Und darüber bin ich heute eigentlich noch froh.
Natürlich "müsste" das alles nicht sein, die Frauen früher hatten das alles auch nicht und haben wunderschöne und heute kostbare Quilts genäht.
Aber, mal ehrlich, wr will heutzutage schon noch, wie vor 200 Jahren mit Schere und alten Stoffen rum fuhrwerken?!
Also, ich nicht! Dazu ist mir meine Zeit echt zu schade. Denn heute ist die Gewichtung einfach eine andere, was früher lebensnotwendig war. ist heute unser geliebtes Hobby. Wir betreiben das aus Spaß an der Freude.
Und Spaß und Freude lasse ich mir auch was kosten. Der Spaß ist ganz schnell vorbei, wenn ich mit minimalster Ausstattung einen supertollen Quilt vollbringen möchte. Das funktioniert einfach nicht für mich.
Ich kann es auch auf einen anderen Nenner bringen: ich bin es mir wert, dass ich hochwertiges Werkzeug und Zubehör benutze.Da ist echt witzig, denn genau diese Aussage habe ich auch in trivolis blog gelesen.
Ich kann ihr da nur voll zustimmen. Wenn ich bedenke, was z.B. ein Autofan in sein geliebtes Vehikel steckt....
Alles in allem: mein Resümee ist, Patchwork macht, wie jedes Hobby, nur Freude, wenn ich mit hochwertigem Material und Zubehör arbeite.
Ich geh ja auch nicht in den Wald und hol mir Holz, um meine Stricknadeln selber zu schnitzen, weil's billiger ist.
Ich bin gespannt, welche Meinung ihr so dazu habt und freu mich, das zu erfahren.
Im Forum taucht immer mal wieder die Frage auf, ob auch andere Stoffe für Patchworkarbeiten geeignet sind.
Das muss , denke ich mal, differenziert werden
Dazu meine Gedanken zu den Gründen, warum ich für Patchwork eben Patchworkstoffe nehme:
Wenn ich einen Wandbehang im Materialmix machen möchte, versuche ich mich an entsprechenden Stoffen und Materialien. Das ist eine eigene Kunstrichtung innerhalb des Patchwork, die ich sehr bewundere.
Will ich eine ausgefallenen Tasche nähen, aus Leder, Jeans, Möbel- oder Dekostoffen, wird das ganz sicher ein sehr reizvolles Ergebnis.
Ganz witzig ist es auch, Kaffeetüten, Sunkisttüten, sogar Milchtüten zu einer außergewöhnlichen Tasche zu verarbeiten. Ich hab mir auch schon mal eine Tasche aus Hundefuttertüten genäht. Einmal. Naja, man muss alles probiert haben. Den zweiten Einkauf haben die Henkel nicht überstanden, was solls.
Will ich jedoch einen traditionellen Quilt nähen, Quilt im Sinne von drei Lagen verbinden, nehme ich Patchworkstoffe.
Es gibt natürlich auch noch die normalen Baumwolldrucke. Aber auch die meine ich jetzt eher nicht.
Wers nicht glauben will, fasse mal einen Patchworkstoff und einen „normalen“ Baumwolldruck an und weiß sofort, was ich damit meine.
Unsere Baumwollstoffe sind einfach für andere Zwecke hergestellt. Die Webart ist wesentlich lockerer als beim Patchworkstoff und der Stoff ist in seiner Beschaffenheit grobfädiger. Für Kleidungsstücke ist das in Ordnung.
Ich verarbeite auch mal in einer Mitteldecke, Sofakissenbezug oder in anderen Arbeiten, von denen ich kein langes Leben erwarte, diese Stoffe.
Für Quilts, die vielleicht viele Jahrzehnte überleben sollen, trotz strapaziöser Nutzung, sind sie entschieden nicht geeignet.
Ganz abgesehen davon, dass Patchworkstoffe schier unüberschaubare Designs und Motive, ja ganze Bilder aufweisen. Und das mindestens zweimal jährlich neu.
Wer die Farben, den Schimmer und die stimmigen Farbkollektionen von Patchworkstoffen und die Kombinierbarkeit dieser Stoffe mit normalen Baumwollstoffen vergleicht, wird dann wohl restlos überzeugt sein.
Für einen Quilt arbeitet frau im Normalfall viele Wochen oder Monate. Das Top in Patchworktechnik nähen, die Lagen mit Vlies und Rückseite zusammen fügen und quilten. Im Idealfall von Hand. Das ist viel Mühe und eine sehr lange Zeit und in Ordnung so. Dafür soll aber auch im Gegenzug das fertige Stück bestimmte Anforderungen erfüllen:
Ø Es soll sehr gut aussehen und gefallen
Ø Es soll strapazierfähig sein und viel Gebrauch und Waschmaschine/Trockner überstehen (jahrelang)
Ø Es soll jahrelang, am besten jahrzehntelang haltbar sein
Ø Vielleicht soll es sogar ein Familienstück sein
Alles in allem betrachtet sind dies genug Gründe weshalb ich persönlich sage,
dafür würde es mir im Traum nie einfallen, qualitativ weniger hochwertige Baumwolldrucke zu nehmen, weil sie etwas billiger sind.
Und es ist auch schwierig, bei den normalen Baumwollstoffen einen ausgewogenen Farb- und Mustermix zu erreichen.
Patchwork wird ja schon lange, scherzhaft oder nicht, als Sucht oder Krankheit bezeichnet. Da ist was dran. Das können alle bestätigen, die diesem Hobby „frönen“. Alle Anderen „betreiben“ ein Hobby, wir sind dem Hobby „verfallen“, und geben es auch noch zu. Hat ja auch System, das Ganze.
Je mehr man macht, desto ungeduldiger arbeitet man schon auf das nächste Projekt hin.
Ich glaube fast, in keinem Hobby gibt es so viele UFO’s (unvollendete Objekte), wie im Patchwork. Das liegt aber mit Sicherheit nicht daran, dass wir Quilter/innen faul sind oder keine Ausdauer haben. Es ist vielmehr so, dass uns während der Arbeit an einem Projekt bereits mindestens 2 andere, nähenswerte unter die Augen kommen. Das sind Herausforderungen, die kann frau nicht einfach links liegen lassen. Die müssen so schnell wie möglich umgesetzt werden, sonst grummelt das ewig im Inneren. Das lässt uns keine Ruhe! Und ein Vlies und die Rückseite an das fertige Top machen, na ja, das läuft ja nicht weg. Das geht immer mal noch, im Winter oder so.
Es gibt ja auch so viele schöne Stoffe, die frau besitzen will. Ideen kommen schon noch dazu. Und dann natürlich die Projekte, für die wir uns bestimmte Stoffe gezielt aussuchen. Aber bitte etwas mehr als angegeben. Weil die ja auch wunderschön sind. Und gibt es einen schöneren Nebeneffekt, als in vielen wunderschönen Stoffen zu schwelgen! Das wird nur vom noch wirklich schöneren Hauptendziel übertroffen, das wäre: in wunderschönen fertigen Quilts und Wandbehängen, Tischdecken und sonstigen Kleinigkeiten zu schwelgen. Wenn sie mal fertig sind.
Aber, wie heißt es so schön: Wer näht, sündigt nicht!


