Im Forum war ein Link eingestellt, der mir ein alltäglich vorkommendes Phänomen wieder mal ins Blickfeld gerückt hat. In Krümmels Blog ging es um die allzu menschlichen Vor- und Nachteile des Internets. Bezüglich Ideen haben, Ideen vorstellen und nachmachen.
Grundsätzlich meine ich, wer sich im Internet mit einer Idee, in meinem speziellen Fall mit dem Thema Patchwork und Quilt, präsentiert, sieht es natürlicherweise sehr gern, wenn die Idee oder fertige Arbeit Anklang findet. Sonst würde man das nicht ausgerechnet im Internet veröffentlichen. Anklang findet eine Idee umso mehr, je lieber und vielleicht je öfter sie nachgemacht wird. Auch das gefällt mir, zeigt es mir doch, dass ich was Besonderes gemacht habe. So gesehen ist das Nachmachen einer Idee eine Ehrenbezeugung für meine geistigen Leistungen und mein Können.
Seien wir doch mal ehrlich: Patchwork und Quilting gehören zu den künstlerischen Hobbys, die sehr zufriedenstellend sind und beruhigend und ausgleichend auf das Nervenkostüm wirken („Ich brauche keinen Therapeuten, ich mache Patchwork.“).
Zudem haben wir bleibende Werte geschaffen, an denen unsere Nachkommen (hoffentlich wissen sie das zu würdigen!) noch Freude und Wertsteigerung genießen können. Patchwork und Quilting braucht aber auch hierzulande bewunderndes Publikum. Je mehr, desto besser. Das streichelt unsere Seele, so soll es auch sein. Was wir als Quilterinnen noch brauchen, ist der Austausch und das Zusammenspiel mit Gleichgesinnten. Und das seit alters her. Das Internet hat es uns erleichtert, mit vielen Hobbykünstlerinnen der Zunft in Verbindung zu treten. Das ist eine wundervolle Einrichtung, gerade für uns Patchwork-Infizierte. Irgendwie ist es verquer, sich im Internet auch noch darüber in die Haare zu kriegen, wer wann welche Idee zuerst hatte. Denn bei näherer Betrachtung und Berücksichtigung aller Faktoren muss man erkennen und einsehen, dass eine Idee niemals einzig Einem allein einfällt. Kann ja gar nicht so sein. Wenn alle seit Anbeginn unseres heutigen Hobbys, früher Notwendigkeit, alle ihre Techniken und Ideen hermetisch unter Verschluss und streng geheim gehalten hätten, wären Patchwork-Techniken heute wohlgehütete Familiengeheimnisse, deren Nachahmung vielleicht mit hohen Geldstrafen belegt wäre. Wir alle könnten uns nicht an den Hunderten von Freebies erfreuen, die weltweit übers Internet verbreitet sind. Zur Verfügung gestellt von großzügigen, freizügigen Menschen, denen es eine besondere Freude ist, ihr Wissen und Können für die Interessierten in aller Welt offen zu legen.
Und angesichts dieser weltoffenen Freizügigkeit ist es schon mehr als peinlich, dass es auch die andere Seite der menschlichen Regungen gibt. Auch im Internet, vielleicht gerade hier, wo Anonymität herrscht und es leichter fällt, aus der Rolle zu fallen. Neid, Missgunst, Gestichel, Gezänke, wer braucht das alles? Vielleicht wäre es ganz praktisch für diese „Unruhestifter“, den PC einfach ausgeschaltet zu lassen.
Für mich jedenfalls gilt weiterhin: Ich freue mich darüber, wenn es Leute gibt, die Ideen so gut finden, dass sie diese für wert befinden, nachgemacht zu werden. Und noch schöner finde ich, dass es wohl Begeisterte gibt, die geradezu schon auf die Ideen warten und sie recht schnell umsetzen. Auch wenn diese dann als deren Eigene „verkauft“ werden, alle Betroffenen wissen, dass das so nicht stimmt. Und für alle Anderen ist es nicht so wichtig.
Darum bedanke ich mich bei allen, die meine Ideen mögen, nachmachen wollen und schätzen.


